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Inklusion als Bereicherung
Der geistig behinderte Hartmut Freund trainiert bei der KSG-Tischtennis-Trainingsgruppe

 

Oktober 2013

Der geistig behinderte Tischtennis-Spieler Hartmut Freund trainiert seit einem Jahr in der Trainingsgruppe der KSG Gerlingen und hat die komplette Sommervorbereitung in Gerlingen mitgemacht. Der 45-Jährige gehört dem Leistungskader des württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands (WBRS) an und blickt auf das bisher erfolgreichste Jahr seiner Laufbahn als Leistungssportler zurück. „Beweglich, konzentriert auf den Punkt und sehr schnell am Tisch,“ erinnert sich KSG-Chefcoach Wilfried Fischer an seine ersten Eindrücke aus den Trainings mit dem Bietigheimer.

Beim Weltranglistenturnier in Ostrau/Tschechien sicherte sich Freund, der in den Punktrunden für den TTC Bietigheim-Bissingen spielt, den Bronze-Platz in der 2er-Mannschaftskonkurrenz gemeinsam mit seinem belgischen Partner Florian van Acker. Zuvor hatte er Silber und Bronze bei Weltranglistenturnieren des Tischtennis-Weltverbands ITTF in Slowenien und Italien gewonnen. Zweimal Gold und einmal Bronze schlugen bei den deutschen Meisterschaften in den Startklassen 11 und AB zu Buche. Gold und Bronze holte er sich bei den württembergischen Meisterschaften. Dazu gab es zweimal Gold bei den Landesspielen von Special Olympics. „Die Vorbereitung in der Gerlinger Trainingsgruppe hat einen erheblichen Anteil an seiner aktuellen Spielstärke,“ sagt Norbert Freund, Bruder und Betreuer bei allen internationalen Auftritten.

 KSG-Tischtennis-Trainingsgruppe

Hartmut Freunds Weg in die Trainingsgruppe der KSG Gerlingen begann im Oktober 2012. „Wir haben eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit gesucht. Da wurde uns die KSG empfohlen und wir sind von Anfang an sehr gut aufgenommen worden,“ schildert Vater, der ihn zu jedem Training begleitet. „Da war es schnell entschieden, dass wir in dieser Gruppe mittrainieren.“

Einer der ersten, der mit ihm spielte, war Carsten Pipper, Mitbegründer der Trainingsgruppe. „Es ist ihm egal, ob er gerade der Trainierende ist oder der Zuspieler, er spielt jede Übung mit höchster Disziplin. Es macht sehr viel Freude mit ihm zu trainieren,“ beschreibt Pipper seine Erfahrungen nach den vielen gemeinsamen Einheiten im Sommer. Für den Gerlinger war es selbstverständlich den Weltklassemann in die Gruppe aufzunehmen. „Er kann Dich an Deine Grenzen bringen. Und wenn er dann lächelt und sich über den Ballwechsel freut, dann weißt Du – der Mann ist zurecht international ganz vorne dabei.“

Niemand spricht über Freunds Behinderung, für alle Spieler wurde schnell deutlich, dass er die Gruppe bereichert – und mttlerweile kommt er auch zu den Jugendtrainings dazu. Denn egal, ob es Jugendliche sind, die einen zuverlässigen Zuspieler brauchen, oder die Aktiven, die bei einer Technikübung auf punktgenaue Ballwechsel angewiesen sind – jeder profitiert gleichermaßen. Und Freund zeigt seine Freude und seinen Ehrgeiz bei jedem einzelnen Ballwechsel, legt alle Konzentration in die Übungen und setzt auch jeden noch so kleinen Hinweis der Betreuer um. Chefcoach Wilfried Fischer hat sich vorher über die Arbeit mit dem Bietigheimer genau informiert: „Für ihn wurde ein besonderes Vokabular erarbeitet, um bestimmte Bewegungsabläufe anzusagen. Das konnten wir natürlich sofort verwenden und darauf aufbauen.“

Grenzen? Gibt es in der Arbeit mit dem Bietigheimer nicht. „Wir brauchen keine Übung speziell auf ihn auszurichten,“ sagt Fischer, der die Zusammenarbeit mit Hartmut Freund und seinem Betreuerstab „als ganzheitliche Bereicherung für alle“ bewertet: „Inklusion ist zurecht ein wichtiges gesellschaftliches Ziel und auch einer der Grundwerte unseres Vereins KSG Gerlingen, den wir mit dieser Trainingsgemeinschaft aktiv umsetzen.“